Ringelblume

hilft natürlich
z.B. bei entzündlichen Erkrankungen der Haut und Schleimhäute

Schwarze Tollkirsche

Atropa bella-donna L.

Familie: Solanaceae

Wirkung

Die Tollkirsche enthält einige Tropanalkaloide wie Hyoscyamin, Atropin und Scopolamin, sowie Flavonoide und Cumarinderivate. Atropin und Hyoscyamin entfalten ihre Wirkung, indem sie im Nervensystem das Andocken eines wichtigen Botenstoffes, des Acetylcholins, an seine Rezeptoren blockieren. Dadurch wird eine Reizweiterleitung gehemmt. So kann die glatte Muskulatur in Magen, Darm und den Gallenwegen entspannt werden. Eine weitere bekannte Anwendung des Atropins ist die Lähmung des Pupillenmuskels, um bestimmte augenärztliche Untersuchungen durchführen zu können. Zudem kann es am Herz eingesetzt werden, wo es die Frequenz steigert, oder an den Drüsen, an welchen es die Speichel- und Schweißsekretion herabsetzt. Belladonnapräparate finden auch in der Therapie von M. Parkinson Anwendung. Die Einnahme von Tollkirsche-Präparaten kann jedoch vor allem bei Überdosierung unter anderem zu Gleichgewichtsstörungen, Hautrötungen, Herzrasen, Halluzinationen, Krampfzuständen und sogar zum Tod führen. Menschen mit Herzrasen, Prostataadenom, Augenproblemen, Lungenödeme, verengten Blutgefäßen im Magen-Darm-Trakt oder mit einer Erweiterung des Dickdarms (Megacolon) sollten auf die Einnahme von Tollkirsche-Präparaten verzichten.

 

Verwendete Pflanzenteile

Von der Tollkirsche werden sowohl die getrockneten Blätter als auch die blühenden Zweispitzen und der Wurzelstock verwendet.

 

Aussehen

Die sehr giftige Tollkirsche erreicht eine Höhe von 50 bis 150 cm. Die eiförmig-zugespitzten Blätter sind flaumig behaart. Zwischen ihnen bilden sich von Juni bis August einzelne, grünliche bis braunviolette Blüten von glockiger Form. Die daraus entstehenden kirschgroßen Beeren sind zunächst grün und färben sich später glänzend schwarz. 

 

Verbreitung

Die Tollkirsche wächst bevorzugt auf nähstoffreichen, kalkhaltigen Böden an Waldlichtungen und Waldwegen besonders in montanen Regionen. Ursprünglich über weite Teile Europas, Asiens, und Nordafrikas verbreitet wird die Pflanze heute vor allem in Kulturen in Süd- und Mitteleuropa, Pakistan, Nordindien, Brasilien und in den USA angebaut.

 

Geschichte und Rituale

Die schwarze Toolkirsche ist eine alte Heil- und Ritualpflanze, die man sich laut ihrer Geschichte gerne in einer magischen Hexenküche vorstellen darf. Da die Einnahme der Pflanze in höherer Dosierung Wahnvorstellungen hervorrief, liegt die Annahme nahe, dass das Kraut zum Erzeugen von Visionen verwendet wurde und ein weitverbreitetes Hexenmittel war. Aus der Tollkirsche wurden Zaubersalben und Rauchgetränke hergestellt, die für Liebes- und Flugzauber unentbehrlich waren. In mittelalterlichen Zeiten träufelten sich die Frauen den Saft der Tollkirsche in die Augen, um die Pupillen zu vergrößern und ihren Augen einen dunklen und besonderen Glanz zu verleihen. Der Preis für diese vor allem in der Renaissance eingesetzte Attraktivität war die Verschlechterung der Sehkraft für einige Wochen.

Zu dem Ursprung des Artnamens Atropa bella-donna gibt es verschieden Annahmen. Die eine ist, dass die Tollkirsche diese Bezeichnung bekam, weil sie als Mittel zur Annäherung an das damalige Schönheitsideal diente und die Augen einer Frau um ein vielfaches strahlender machte. Eine weitere lehnt sich an die römische Kriegsgöttin Bellona an, der zu Ehren altrömische Priester ein Ritual vollzogen. In diesem nahmen die Geistlichen einen Absud aus der Bella Donna zu sich, bevor sie die mächtige Göttin anriefen. Als dritte und weniger bekannte Möglichkeit ordnete der Volksmund die Pflanze der Fürstin Lucreccia Belladonna zu, die als eine der schönsten und gefährlichsten Frauen der damaligen Zeit galt. Sie war eine der erfolgreichsten Giftmischerinnen im italienischen Pavona und bewies dies unter anderem dadurch, dass sie jeden ihrer zahlreichen Ehemänner überlebte.  Im Mittelalter galt sie als mächtige Magierin und wurde als Belladonna ebenfalls mit der schwarzen Tollkirsche in Verbindung gebracht. Der Gattungsname Atropa hingegen entspringt der griechischen Mythologie und steht in engem Zusammenhang mit der Schicksalsgöttin Atropos, welche den Lebensfaden der Menschen durchschneidet.

Trotz aller Mythen und Zauberrituale wurde die schwarze Tollkirsche in der Antike in geringen Dosen auch als Schmerzmittel eingesetzt. In mittelalterlichen Kräuterbüchern wird sie hauptsächlich als „unsinnig und tollmachende“ Pflanze erwähnt. Die Universalgelehrte Hildegard von Bingen (1098-1179) brachte sie mit dem Teufel in Verbindung und warnte vor der zerrüttenden Wirkung der Tollkirsche auf den menschlichen Geist.

Der Botaniker und Arzt Hieronymus Bock (1498-1554) hingegen legte eine Verwendung der Pflanze in der Veterinärmedizin nahe und empfahl sie zusätzlich am Menschen eingesetzt gegen zum Beispiel Leber- und Magenleiden. In dem Kräuterbuch „Hortus sanitatis“ oder auch „Gart der Gesundheit“ wird die Tollkirsche aufgrund ihrer „kalten Qualität“ gegen äußere und innere Hitze empfohlen. Der Gart der Gesundheit wurde 1485 als eines der ersten Kräuterbücher gedruckt und zählte zu den wohl einflussreichsten Lehrbücher dieser Zeit. In der Volksmedizin wurde das Kraut zudem gegen Gicht, als Aphrodisiakum und als Mittel zum Einleiten eines Schwangerschaftsabbruchs eingesetzt. Auch wurden Extrakte der Tollkirsche als Wahrheitsdroge verwendet, um bei Strafprozessen ein Geständnis zu erzwingen.

Der Naturforscher John Ray (1627-1705) befasste sich im Jahr 1686 ausführlich mit der Verwendung der schwarzen Tollkirsche im Zusammenhang mit der Augenheilkunde. Ein Ansatz, der 1749 von dem schwedischen Naturforscher Carl von Linné (1707-1778) weitergeführt wurde und wissenschaftliche Diskussionen über die Einsatzgebiete der Atropa bella-donna entfachte. Im Vordergrund standen hierbei die Grundlage als Arzneipflanze und ihre mögliche Verwendung in der Augenheilkunde.

Ab dem 19. Jahrhundert wurde das Nachtschattengewächs auch gegen Krankheiten wie zum Beispiel Gelbsucht, Epilepsie, Keuchhusten, Nervenkrankheiten und Scharlach eingesetzt.

Weitere Bezeichnungen für die schwarze Tollkirsche sind unter anderem Wutbeere, Wolfsauge oder Wolfsbeere. Diese stehen wahrscheinlich in engem Zusammenhang mit dem südgermanischen Kriegsgott Wotan (Odin), der auch als Gott der Jagd angesehen wurde und dem Wolf zugetan war. Es heißt, dass die germanischen Jäger zwei der schwarzen Beeren aßen, bevor sie auf die Jagd gingen, um ihre Sinne zu schärfen und ihre animalischen Instinkte zu wecken.

Auch der deutsche Trivialname Tollkirsche bezieht sich auf das unkontrollierte, wilde Verhalten des Menschen oder Tieres nach der Aufnahme des halluzinogenen Stoffes der Pflanze. Andere Namen, die diese Eigenschaft noch unterstreichen sind, Irrbeere, Schwindelkirsche, Teufelskirsche oder Tollkraut.

In niedriger Konzentration angewendet ist die Atropa bella-donna eher eine Heilpflanze der Moderne und wird in der Gegenwart vorrangig als natürliche Hilfe gegen Krämpfe und Schmerzen im Magen-Darm-Trakt eingesetzt.